Brotkrümelnavigation

Der Kristallglobus seit 1948: Die Geschichte einer berühmten Filmauszeichnung

Nur wenige Partnerschaften in der Kulturwelt bestehen so lange und wirken dabei so selbstverständlich wie die Zusammenarbeit der Moser-Glasmanufaktur und des Internationalen Filmfestivals Karlovy Vary (KVIFF).

Zwei Ikonen, die für Tradition, Meisterschaft und Kreativität stehen und seit Jahrzehnten Seite an Seite gehen. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist eines der schönsten Symbole der modernen Filmwelt: der Kristallglobus.

In diesem Jahr feiert das Festival seinen 80. Geburtstag, und Moser ist dabei ein unverzichtbarer Bestandteil. Denn in der Glasmanufaktur entstehen die Auszeichnungen, die später von den bedeutendsten Persönlichkeiten der internationalen Filmwelt entgegengenommen werden.

DIE STATUETTE, DIE ZUM SYMBOL WURDE

Seit 26 Jahren hat die Auszeichnung die Form einer eleganten jungen Frau, die auf Zehenspitzen steht und einen Kristallglobus über ihrem Kopf hält. Ihre Gestaltung erinnert bewusst an den Jugendstil und Art Déco – jene Epoche, in der die Kinematografie ihren Ursprung fand.

Entworfen wurde die Auszeichnung im Jahr 2000 vom Künstler und Fotografen Tono Stano. Als Modell diente die Finalistin der Miss Czech Republic, Ema Černáková. Für die perfekte Pose musste sie eine ungewöhnliche, beinahe akrobatische Leistung erbringen. Um die Muskelspannung in der gewünschten Haltung genau beobachten zu können, ließ Stano das Modell kopfüber hängen. Mithilfe eines Flaschenzugs wurde sie in die Luft gehoben, während sie den Globus in den Händen hielt. Auf diese Weise entstanden die Fotografien, die später als Grundlage für die Gestaltung der heute ikonischen Festivalauszeichnung dienten.

Nach Stanos Entwurf und unter seiner persönlichen Anleitung modellierte Martin Krejzlík die Statuette. So entstand ein Kunstwerk, das heute zu den beeindruckendsten und schönsten Filmtrophäen der Welt zählt.

DER KRISTALLGLOBUS HATTE VIELE GESICHTER

Die heutige Form der Auszeichnung ist nicht die einzige, die im Laufe der Festivalgeschichte verwendet wurde.

Die ersten Kristallgloben wurden bereits im ersten Wettbewerbsjahr des Festivals im Jahr 1948 verliehen. Das Festival selbst war zwar schon zwei Jahre zuvor gegründet worden, doch die ersten beiden Jahrgänge fanden ohne Wettbewerb statt.

Der ursprüngliche Kristallglobus wurde vom Glasdesigner Václav Hanuš von der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag entworfen. Es handelte sich um einen klassischen Kristallglobus auf einem Sockel aus Marmor.

Damals wurden neben dem Hauptpreis zahlreiche weitere Trophäen vergeben. Der Preis für die beste Schauspielerin und den besten Schauspieler war eine Moser-Vase. Der Friedenspreis hingegen hatte die Form eines silbernen Zweigs mit Granatsteinen, während der Arbeitspreis eine Bronzeskulptur mit dem Titel Die Ernte darstellte, die einen Bauern mit einem Sack Äpfel oder Kartoffeln zeigte.

In verschiedenen Epochen des Festivals kamen weitere Auszeichnungen hinzu, darunter Preise für den Kampf um die Freiheit, den gesellschaftlichen Fortschritt oder die Freundschaft zwischen den Nationen. Der Kristallglobus blieb jedoch stets die wichtigste, wertvollste und prestigeträchtigste Auszeichnung.

Auch in den 1990er-Jahren sah der Preis noch anders aus als heute. Obwohl er weiterhin den Namen Kristallglobus trug, hatte er die Form einer Karlsbader Oblate aus Kristall und wurde in einer runden Schachtel präsentiert, die einer Filmrolle nachempfunden war. Besucher des Moser-Museums auf dem Gelände der Glasmanufaktur in Karlsbad können dieses einzigartige Exponat ebenso bewundern wie die heute verwendete Auszeichnung.

MEISTERSCHAFT IN JEDER EINZELNEN KUGEL

Die Herstellung des Kristallglobus ist ein eindrucksvoller Beweis für das außergewöhnliche Können der Moser-Glasmacher. Jede Kugel besteht aus bleifreiem Kristallglas, das sich durch seine Reinheit, Härte und herausragenden optischen Eigenschaften auszeichnet.

Am Ofen nehmen die Glasmacher das glühend heiße, geschmolzene Glas und formen es meisterhaft zu einer perfekt runden Kugel. Dann sind die Schleifer an der Reihe, die Kugel auf die absolut perfekten Maße zuzuschneiden. Jede Kristallkugel muss millimetergenau in die Hände der Statuette passen.

Nach dem Schleifen werden die Kugeln auf Hochglanz poliert, wodurch sie ihren charakteristischen Glanz erhalten. Die Statuette misst 34,5 Zentimeter in der Höhe, wiegt 2,6 Kilogramm und trägt eine Kugel mit einem Durchmesser von 9,1 Zentimetern. Jedes Exemplar ist ein Unikat, das durch viele Stunden sorgfältiger Handarbeit entsteht.

Selbst der berühmte Regisseur Miloš Forman war von der Schönheit dieser Auszeichnung begeistert. Ursprünglich erhielt er den Preis noch in Form der Kristall-Oblate, tauschte ihn später jedoch gegen die neue Statuette der jungen Frau mit dem Globus ein.

VOM FESTIVAL IN KARLOVY VARY HINAUS IN DIE WELT

Jedes Jahr reisen die Werke der Moser-Glasmacher so von Karlovy Vary in die Hände großer Filmlegenden und begleiten sie auf ihren Wegen rund um den Globus.

Zu den Trägerinnen und Trägern eines Kristallglobus gehören unter anderem Robert Redford, Morgan Freeman, Susan Sarandon, Judi Dench, John Malkovich und Julianne Moore.

DER STAR DER FESTIVAL-TRAILER

Der Kristallglobus ist weit mehr als nur eine Auszeichnung. Im Laufe der Jahre entwickelte er sich zu einem der wichtigsten Symbole des Festivals und wurde sogar zur Hauptfigur der legendären Festival-Trailer.

In diesen kurzen Filmen traten Persönlichkeiten wie Danny DeVito, Andy Garcia, Jude Law, Helen Mirren, Mel Gibson, Zdeněk Svěrák, Věra Chytilová, Jiřina Bohdalová und Jiří Menzel gemeinsam mit dem Kristallglobus auf und machten ihn zum Teil ihrer Geschichten.

EINE HOMMAGE AN GLAS- UND FILMKUNST

Die Zusammenarbeit zwischen der Moser-Glashütte und dem KVIFF ist weit mehr als eine klassische Partnerschaft zwischen Herstellern und Veranstaltern. Sie ist eine Feier handwerklicher Exzellenz, künstlerischer Kreativität und des Strebens nach außergewöhnlichen Ergebnissen.

So wie Filmschaffende nach Perfektion auf der Leinwand streben, verfolgen auch die Moser-Glasmacher dieses Ziel bei der Arbeit mit geschmolzenem Glas und Kristall. Aus dieser Verbindung entstehen Jahr für Jahr Auszeichnungen, die von Karlsbad aus in die Welt hinausgehen – als Symbole tschechischer Handwerkskunst, Eleganz und Tradition.


Wir sind für Sie da

Es tut uns leid, aber diese Website ist nicht für diesen Browser optimiert. Bitte verwenden Sie die aktuelle Version von Google Chrome, Firefox, Microsoft Edge oder Safari.